Fluglotse Ausbildung: Voraussetzungen, Auswahlverfahren und Ablauf

Die Ausbildung zum Fluglotsen dauert 2,5 bis 3,5 Jahre und wird von Beginn an bezahlt: 1.450 € plus 400 € Wohngeldzuschuss in der Theoriephase, rund 5.000 € im On-the-Job-Training. Der Zugang verlangt Abitur mit einem Schnitt von 2,7 oder besser, ein Höchstalter von 24 Jahren und das bestandene DLR-Auswahlverfahren. Dieser Artikel führt durch Voraussetzungen, Auswahl, Ablauf und das duale Studium.

Veröffentlicht: 01.09.20267 min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Zugang: Die Ausbildung zum Fluglotsen verlangt das Abitur mit einem Notendurchschnitt von 2,7 oder besser sowie gutes Englisch. Bewerben können Sie sich zwischen 18 und höchstens 24 Jahren.
  • Auswahl: Vor dem Ausbildungsvertrag steht ein fünfstufiges Auswahlverfahren. Kernstück sind zwei Testtage beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Hamburg.
  • Ablauf: Die Ausbildung dauert 2,5 bis 3,5 Jahre. Auf fünf Monate Theorie und eine Simulatorphase in Langen folgt das Training am späteren Arbeitsplatz im Tower oder in der Kontrollzentrale.
  • Vergütung: Schon die Theoriephase wird mit 1.450 € im Monat plus 400 € Wohngeldzuschuss bezahlt. Im On-the-Job-Training steigt die Vergütung auf rund 5.000 € brutto monatlich.
  • Alternative: Ein duales Studium kombiniert die Lotsen-Lizenz mit einem Bachelor in Air Traffic Management an der Hochschule Worms. Die Studiengebühren übernimmt der Arbeitgeber.

Welche Voraussetzungen gelten für die Fluglotsen-Ausbildung?

Die Ausbildung zum Fluglotsen ist bundesweit einheitlich geregelt und läuft in Deutschland über die DFS Deutsche Flugsicherung und ihre Flugsicherungsakademie in Langen bei Frankfurt. Bevor es dorthin geht, müssen Bewerber eine Reihe fester Kriterien erfüllen:

Abitur mit 2,7 oder besser

Verlangt wird die allgemeine Hochschulreife mit einem Notendurchschnitt von mindestens 2,7, ein Fachabitur genügt nicht. Auch wer bereits studiert, einen Bachelor abgeschlossen oder das Studium abgebrochen hat, kann sich bewerben. Auf bestimmte Leistungskurse kommt es dabei nicht an.

Alter zwischen 18 und 24

Das Höchstalter von 24 Jahren zum Bewerbungszeitpunkt gehört zu den festen Zugangskriterien des Berufs, weil die mehrjährige Ausbildung früh beginnen soll. Wer die Grenze verpasst, kann den Beruf bei der DFS regulär nicht mehr ergreifen.

Englisch und Deutsch

Der Sprechfunk läuft auf Englisch, verlangt wird deshalb Englisch auf Abitur-Niveau oder ein C1-Zertifikat. Dazu kommt fließendes Deutsch, das Bewerber ohne deutsches Abitur ebenfalls per C1-Nachweis belegen.

Medizinische Eignung

Erforderlich sind 100 % Sehkraft, wobei Brille oder Kontaktlinsen bis +5/−6 Dioptrien zulässig sind, dazu einwandfreies Farbsehen und uneingeschränktes Hörvermögen. Chronische Erkrankungen wie Diabetes können ein Ausschlusskriterium darstellen.

Behördliche Zuverlässigkeit

Vor dem Einsatz stehen eine Zuverlässigkeits- und eine Sicherheitsüberprüfung. Was die Behörden dabei prüfen und wie lange das dauert, erklärt unser Ratgeber Zuverlässigkeitsüberprüfung am Flughafen.

Schicht- und Umzugsbereitschaft

Die Flugsicherung arbeitet rund um die Uhr, Schichtdienst gehört also fest zum Beruf. Dazu kommt die Bereitschaft, an einen Einsatzort irgendwo in Deutschland zu ziehen, denn den Übernahmestandort legt die DFS nach Bedarf und Leistungen fest.

Bemerkenswert ist, was NICHT verlangt wird: kein Vorwissen aus der Luftfahrt, keine fliegerische Erfahrung und kein bestimmter Studien- oder Berufshintergrund. Ob jemand zum Lotsen taugt, entscheidet nicht der Lebenslauf, sondern der Eignungstest.

Wie läuft das Auswahlverfahren ab?

Zwischen Bewerbung und Ausbildungsvertrag liegt ein Auswahlverfahren in fünf Stufen, das die kognitiven Fähigkeiten deutlich genauer misst als jede Schulnote:

  • Online-Auswahlstufe: ein biographischer Fragebogen und Online-Tests, unter anderem zu Zahlenverständnis und räumlichem Vorstellungsvermögen.
  • Voruntersuchung beim DLR in Hamburg: Testbatterien zu räumlichem Vorstellungsvermögen, Stressresistenz, Konzentrationsfähigkeit, Merkfähigkeit, Entscheidungsfreude, Zahlenaffinität und Englisch.
  • Hauptuntersuchung beim DLR in Hamburg: eine Teamarbeits-Übung, ein Englischinterview sowie ein Interview zu Biographie und Motivation.
  • Medizinische Tauglichkeitsprüfung: die ärztliche Untersuchung unter anderem von Hör- und Sehvermögen.
  • Ausbildungsvertrag: Wer alle Stufen besteht, erhält den Vertrag mit der DFS.

Die Ausbildung startet mehrmals im Jahr, und die DFS empfiehlt, sich idealerweise ein Jahr vor dem gewünschten Beginn zu bewerben. Eine Bewerbung ist sogar schon ein Jahr vor dem Abitur möglich, die Zusage steht dann unter Vorbehalt des Abschlusses. Zur Vorbereitung auf die Testtage stellt die DFS eigene Webgames und einen Online-Schnuppertag bereit, mit denen sich die Aufgabentypen gefahrlos ausprobieren lassen.

Wie ist die Ausbildung zum Fluglotsen aufgebaut?

Die Ausbildung dauert insgesamt 2,5 bis 3,5 Jahre und führt in drei Phasen vom Hörsaal an den echten Kontrollarbeitsplatz:

PhaseDauerOrt und Inhalt
Basic-Training5 MonateTheorie an der Flugsicherungsakademie in Langen: Navigationslehre, Luftrecht, Meteorologie, Flugzeugtypenkunde, Sprechfunk und Luftfahrt-Englisch
Simulatorphase8 bis 12 MonateÜbungen an Tower- und Radarsimulatoren in Langen, mit Spezialisierung auf Kontrollzentrale oder Tower
On-the-Job-Training12 bis 24 MonateTraining im Live-Betrieb am späteren Einsatzort, unter Aufsicht erfahrener Ausbildungslotsen

Quelle: DFS-Karriereportal, Ablauf der Fluglotsen-Ausbildung (Abruf August 2026).

In der Simulatorphase fällt die Weiche zwischen den beiden Berufswelten: Tower-Lotsen üben Starts, Landungen und Rollverkehr am nachgebildeten Flughafen, Center-Anwärter trainieren die Radarführung im Streckenflug. Nach bestandener Akademiephase wechseln die Auszubildenden an ihren künftigen Standort, den die DFS nach Bedarf und Leistungen festlegt und frühzeitig mitteilt. Dort erweitern sie ihre Berechtigungen Schritt für Schritt im echten Verkehr, bis alle Lizenzprüfungen bestanden sind. Am Ende steht die europäische Fluglotsenlizenz und die Übernahme als vollwertiger Lotse. Was dann im Beruf wartet, beschreibt unser Berufsprofil Fluglotse.

Was verdient man in der Fluglotsen-Ausbildung?

Die Ausbildung kostet nichts, im Gegenteil: Lehrgangs- und Prüfungskosten trägt die DFS, und vom ersten Monat an fließt eine Vergütung, die im Verlauf kräftig steigt.

AusbildungsabschnittVergütung (brutto/Monat)
Theorie- und Simulatorphase1.450 € zzgl. 400 € Wohngeldzuschuss
On-the-Job-Training (ab dem 16. Monat)steigend nach Ausbildungsfortschritt, bis rund 5.000 €

Quelle: DFS-Karriereportal, FAQ zur Fluglotsen-Ausbildung (Abruf August 2026).

Hinzu kommen 32 Tage bezahlte Freistellung im Jahr, zusätzlich freie Tage an Heiligabend und Silvester sowie eine betriebliche Altersvorsorge. Damit verdient ein Lotsen-Azubi in der Praxisphase mehr als viele fertig ausgebildete Fachkräfte anderer Branchen. Wie es nach der Lizenz finanziell weitergeht, schlüsselt der Ratgeber Fluglotse Gehalt auf.

Was bietet das duale Studium zum Fluglotsen?

Wer neben der Lizenz einen akademischen Abschluss möchte, wählt das duale Studium Air Traffic Management in Kooperation mit der Hochschule Worms. Es kombiniert die komplette Fluglotsen-Ausbildung mit betriebswirtschaftlichen Inhalten der Luftfahrtbranche und endet mit zwei Abschlüssen: der Fluglotsen-Lizenz und dem Bachelor. Die Hochschulphasen starten zweimal jährlich zum 1. März und zum 1. Oktober, die Bewerbungsfristen enden jeweils im Januar beziehungsweise August. Sämtliche Studiengebühren übernimmt die DFS.

Das Auswahlverfahren verläuft analog zur klassischen Ausbildung, ergänzt um ein Gespräch in der DFS und die Auswahl durch die Hochschule. Ein Detail ist wichtig: Der Ausbildungsvertrag als Fluglotse ist bereits nach dem regulären Auswahlverfahren sicher, das Studium kommt obendrauf. Zwei Einschränkungen gelten allerdings. Für den Studiengang ist zwingend das Abitur nötig, ein Fachabitur reicht nur für die anderen dualen DFS-Studiengänge wie Flugsicherungsingenieur, Informatik oder Luftverkehrsmanagement. Und die Bewerbung für Air Traffic Management ist nur ein einziges Mal möglich, eine zweite Chance nach einer Absage gibt es dort nicht.

Wie läuft die Ausbildung in Österreich und der Schweiz?

Auch die Nachbarländer bilden ihre Lotsen selbst aus, mit eigenen Zugangsregeln und eigenen Flugsicherungen:

Österreich: Austro Control

  • Zugangsvoraussetzungen sind Matura, Berufsreifeprüfung oder ein akademischer Abschluss, dazu sehr gute Deutschkenntnisse auf C1-Niveau, gutes Englisch und ein abgeleisteter Präsenz- oder Zivildienst.
  • Das ideale Einstiegsalter beziffert die Austro Control mit 18 bis 27 Jahren, der Spielraum ist also etwas größer als in Deutschland.
  • Ausgebildet wird an der Austro-Control-Akademie, bezahlt von Beginn an, eingesetzt an Standorten in ganz Österreich.
  • Nach der Ausbildung nennt die Austro Control ein Einstiegsgehalt von rund 6.600 € brutto im Monat.

Schweiz: skyguide

  • Die skyguide bildet ihre Flugverkehrsleiter an verschiedenen Schweizer Standorten aus, der Weg führt über Recruitment Days und die laufenden Ausschreibungen.
  • Konkrete Zahlen zu Dauer, Lohn und Zugangsalter veröffentlicht skyguide auf den Karriereseiten nicht.
  • Über die Rahmenbedingungen des fertigen Berufs berichtete der Schweizer Sender SRF: eine 35-Stunden-Woche, bis zu sieben Wochen Ferien und die Pensionierung mit 60.
  • Was in allen drei Ländern verdient wird, zeigt der Ratgeber Fluglotse Gehalt.

Gibt es Wege zum Fluglotsen abseits der DFS?

Ja, wenige, aber es gibt sie. Regionalflughäfen mit eigener Platzverkehrskontrolle bilden vereinzelt selbst aus oder stellen lizenzierte Lotsen direkt ein. In den Stellenausschreibungen auf flughafen-jobs.de suchte zum Stichtag 31. August 2026 etwa der Flughafen Heringsdorf einen Auszubildenden zum Fluglotsen, während Kassel und Sylt fertige Lotsen ausschrieben. Daneben bildet die Bundeswehr für die militärische Flugsicherung eigene Lotsen aus. Diese Nischen sind klein, haben dafür aber deutlich weniger Bewerber je Platz als das zentrale DFS-Verfahren.

Aktuelle Fluglotsen Stellen

Ausbildungsplätze bei der DFS laufen über deren Bewerberportal. Die Lotsenstellen der Flughafenbetreiber selbst sammeln wir im Bereich Operations und Verkehrsleitung Jobs, Ausbildungsangebote aller Flughafenberufe zeigt die Übersicht der Stellenangebote:

Aktuelle Fluglotsen Jobs

Aktuell 4 offene Fluglotsen-Stellen auf flughafen-jobs.de.

Fazit

Die Fluglotsen-Ausbildung gehört zu den attraktivsten Ausbildungswegen überhaupt: bezahlte 2,5 bis 3,5 Jahre, in der Praxisphase bereits rund 5.000 € im Monat, keine Kosten und am Ende ein Beruf mit außergewöhnlicher Vergütung. Der Preis dafür ist ein enges Zugangsfenster aus Abitur-Schnitt, Höchstalter 24 und dem anspruchsvollen DLR-Auswahlverfahren. Wer die Kriterien erfüllt, sollte sich früh bewerben und die kostenlosen Vorbereitungsangebote der DFS nutzen. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!

FAQ: Häufige Fragen zur Fluglotsen-Ausbildung

Wie lange dauert die Ausbildung zum Fluglotsen?

Insgesamt 2,5 bis 3,5 Jahre. Sie beginnt mit fünf Monaten Basic-Training an der Flugsicherungsakademie in Langen, gefolgt von 8 bis 12 Monaten Simulatorausbildung und einem On-the-Job-Training von 12 bis 24 Monaten am späteren Arbeitsplatz. Die genaue Dauer hängt von der Fachrichtung und vom Ausbildungsfortschritt ab.

Kann ich die Fluglotsen-Ausbildung ohne Abitur machen?

Nein, für die Ausbildung bei der DFS ist die allgemeine Hochschulreife mit einem Notendurchschnitt von 2,7 oder besser Pflicht, und auch ein Fachabitur genügt nicht. Dieselbe Grenze zieht der duale Studiengang Air Traffic Management. Mit Fachabitur stehen bei der DFS dafür andere duale Studiengänge offen, etwa Flugsicherungsingenieur, Informatik oder Luftverkehrsmanagement. Wer ohne Abitur in die Luftfahrt möchte, findet im Fluggerätmechaniker einen anerkannten Ausbildungsberuf, für den die Betriebe in der Praxis überwiegend den mittleren Schulabschluss verlangen, siehe Ratgeber Fluggerätmechaniker Ausbildung.

Bis zu welchem Alter kann man Fluglotse werden?

Bei der DFS liegt das Höchstalter bei 24 Jahren zum Zeitpunkt der Bewerbung, das Mindestalter bei 18. In Österreich nennt die Austro Control ein ideales Einstiegsalter von 18 bis 27 Jahren bei Ausbildungsbeginn. Wer die Grenze überschritten hat, kann den Beruf in Deutschland regulär nicht mehr ergreifen.

Was kostet die Fluglotsen-Ausbildung?

Nichts. Die DFS übernimmt Lehrgangs- und Prüfungskosten und zahlt von Beginn an eine Vergütung: 1.450 € brutto im Monat plus 400 € Wohngeldzuschuss in der Theoriephase, im On-the-Job-Training ansteigend auf rund 5.000 €. Beim dualen Studium trägt die DFS zusätzlich sämtliche Studiengebühren.

Kann man sich auf den Fluglotsen-Eignungstest vorbereiten?

Auf die Testinhalte im engeren Sinn nur begrenzt, denn geprüft werden Grundfähigkeiten wie räumliches Vorstellungsvermögen, Merkfähigkeit und Stressresistenz. Vertraut machen können Sie sich mit den Aufgabentypen aber sehr wohl: Die DFS bietet dafür kostenlose Webgames und einen Online-Schnuppertag an. Gute Englischkenntnisse aufzufrischen lohnt sich in jedem Fall, denn Englisch wird in Vor- und Hauptuntersuchung geprüft.