Luftverkehrskaufmann: Aufgaben, Ausbildung, Gehalt und Jobs

Luftverkehrskaufmann: Mitarbeiter mit Tablet in der Frachthalle zwischen Gitterwagen

Luftverkehrskaufleute verbinden die Verwaltung eines Flughafens oder einer Airline mit dem Betrieb: Sie fertigen Passagiere, Flugzeuge und Fracht ab und arbeiten im Einkauf, im Controlling und im Personalwesen. Der Beruf ist eine dreijährige duale Ausbildung, die vor allem Flughafenbetreiber und Airlines anbieten. Mit 39 neuen Verträgen im Jahr 2025 gehört er zu den seltensten in Deutschland. Dieser Artikel erklärt Aufgaben, Ausbildung, Prüfung, Gehalt und Perspektiven.

Veröffentlicht: 17.10.202617 min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Luftverkehrskaufleute verbinden das kaufmännische Geschäft eines Flughafens oder einer Airline mit dem Betrieb: Sie fertigen Passagiere, Flugzeuge und Fracht ab und arbeiten im Einkauf, im Personalwesen, im Controlling und im Vertrieb.
  • Typische Aufgaben: Terminalprozesse steuern, Flugzeugabfertigung koordinieren, Luftfracht abfertigen, Waren und Dienstleistungen einkaufen, Kennzahlen auswerten und Marketingmaßnahmen umsetzen.
  • Voraussetzungen: Rechtlich ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. Die Flughäfen verlangen in aller Regel einen mittleren Abschluss, gute Englischkenntnisse und den Führerschein Klasse B. Vor dem Start steht eine behördliche Zuverlässigkeitsüberprüfung.
  • Ausbildung: Drei Jahre dual, geregelt durch eine bundesweite Ausbildungsordnung von 2017. Die Abschlussprüfung ist in zwei Teile gestreckt, der erste findet in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt. Mit 39 neuen Verträgen im Jahr 2025 ist es einer der seltensten Ausbildungsberufe in Deutschland.
  • Gehalt: Flughäfen im öffentlichen Dienst zahlen 1.368,26 € im ersten Ausbildungsjahr (Stand Mai 2026). Nach der Ausbildung sieht der Tarifvertrag für Bodenverkehrsdienste 3.516,45 € bis 3.831,57 € brutto im Monat vor, ein Gehaltsportal nennt einen Median von rund 3.700 €.

Was ist ein Luftverkehrskaufmann?

Ein Luftverkehrskaufmann ist die kaufmännische Fachkraft der Luftfahrtbranche. Während ein Industriekaufmann in einer Fabrik lernt und ein Bankkaufmann in der Bank, lernt der Luftverkehrskaufmann bei einem Flughafenbetreiber, einer Fluggesellschaft oder einer Abfertigungsgesellschaft, also einem Dienstleister, der im Auftrag der Airlines Flugzeuge und Passagiere abfertigt. Der Unterschied zu anderen kaufmännischen Berufen liegt im zweiten Standbein: Luftverkehrskaufleute sitzen nicht nur im Büro, sondern stehen auch am Check-in, auf dem Vorfeld und in der Frachthalle. Die Ausbildung verbindet beides, die Verwaltung eines Unternehmens und den Betrieb eines Flughafens.

Der Beruf ist seit 1960 staatlich anerkannt und wurde zuletzt 2017 neu geordnet. Die geltende Luftverkehrskaufleuteausbildungsverordnung trat am 1. August 2017 in Kraft und stellte den Beruf auf Englischkenntnisse, neue Sicherheitsstandards und die Digitalisierung der Abfertigung ein. Zuständig für die Prüfung ist die Industrie- und Handelskammer. In Stellenanzeigen und auf Karriereseiten heißt der Beruf Luftverkehrskaufmann, Luftverkehrskauffrau oder kurz Luftverkehrskaufleute, manchmal auch LVK. Die Abschlussbezeichnung lautet Luftverkehrskaufmann beziehungsweise Luftverkehrskauffrau.

Nicht zu verwechseln ist der Beruf mit dem Servicekaufmann im Luftverkehr. Beide Ausbildungen dauern drei Jahre und beginnen am selben Ort, dem Flughafen. Der Servicekaufmann arbeitet jedoch vor allem am Fluggast, am Schalter, am Gate und im Ticketverkauf. Der Luftverkehrskaufmann ist breiter angelegt und übernimmt zusätzlich Einkauf, Fracht, Controlling und Personalaufgaben. Wer gern mit Zahlen und Verträgen arbeitet und den Flughafen trotzdem nicht nur vom Schreibtisch aus erleben will, ist beim Luftverkehrskaufmann richtig.

Welche Aufgaben hat ein Luftverkehrskaufmann?

Die Ausbildungsordnung legt in § 4 acht Arbeitsfelder fest, die jeder Luftverkehrskaufmann beherrschen muss. Vier davon prägen den Alltag nach der Ausbildung besonders:

Terminal und Abfertigung steuern

Im Terminal sorgt der Luftverkehrskaufmann dafür, dass die Fluggastströme laufen: Er plant, welche Schalter geöffnet werden, setzt behördliche Anordnungen um und greift ein, wenn ein Flug verspätet ist oder ausfällt. Am Flugzeug koordiniert er die Abfertigung, prüft die Ladeanweisung, also den Plan, wie Gepäck und Fracht im Flugzeug verteilt werden, und stellt die Unterlagen für die Flugvorbereitung zusammen. In der Ausbildung gehören deshalb auch der Check-in und die Gate-Abfertigung dazu, bei kleineren Flughäfen bis hin zur Mitarbeit auf dem Vorfeld. Der Flughafen Stuttgart nennt diese Abfertigungsprozesse ausdrücklich als Schwerpunkt seiner Ausbildung.

Luftfracht abfertigen

Die Fracht unterscheidet den Luftverkehrskaufmann von allen anderen Kaufleuten am Flughafen. Er berät Speditionen über das Frachtangebot, verkauft Frachtraum, berechnet Kapazitäten und erstellt die Frachtpapiere. Dazu kommen Zollformalitäten beim Import und Export, deren Rechtsgrundlagen in der Ausbildung vermittelt werden. Wer bei einer Frachtgesellschaft oder in der Frachthalle eines großen Flughafens arbeitet, hat mit Gemälden, Ersatzteilen und Medikamenten ebenso zu tun wie mit Tieren.

Einkaufen und Verträge vorbereiten

Ein Flughafen kauft täglich ein, von der Enteisungsflüssigkeit über Ersatzteile für die Gepäckanlage bis zur Bordverpflegung einer Airline. Der Luftverkehrskaufmann holt Angebote ein, vergleicht sie, bereitet Vertragsverhandlungen vor und führt Gespräche mit Lieferanten. Treibstoffeinkauf und Beschaffung von Bordverpflegung nennt die Berufsbeschreibung der Bundesagentur für Arbeit ausdrücklich. Große Flughäfen besetzen mit diesem Wissen später eigene Stellen im strategischen Einkauf.

Zahlen, Personal und Marketing

Im Büro führt der Luftverkehrskaufmann Konten, bearbeitet Zahlungen und bereitet die Kosten- und Leistungsrechnung auf, also die Übersicht, was einzelne Leistungen des Betriebs kosten und einbringen. Er wirkt bei der Personalplanung und Personalbeschaffung mit und wertet Kennzahlen für das Personalcontrolling aus. Im Marketing analysiert er Kunden- und Marktdaten, plant Werbeaktionen und entwickelt Konzepte für den Verkauf von Flügen und Fracht, in der Luftfahrt Passage- und Frachtverkauf genannt. Diese Stationen sind der Grund, warum Luftverkehrskaufleute nach der Ausbildung in fast jeder Abteilung eines Flughafens landen können.

Zu den acht Arbeitsfeldern der Verordnung zählen darüber hinaus die Vertriebsprozesse, also der Verkauf von Flugpassagen und Dienstleistungen an Privat- und Firmenkunden, sowie die kaufmännische Steuerung und Kontrolle. Wie viel davon im Alltag vorkommt, hängt stark vom Arbeitgeber ab: Bei einem Regionalflughafen wechseln sich Schalterdienst und Büro ab, bei einem Drehkreuz wie Frankfurt, also einem Umsteigeflughafen mit Tausenden Beschäftigten, sind die Aufgaben auf viele Abteilungen verteilt.

Wie läuft die Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann ab?

Die Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann ist eine duale Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz. Sie dauert nach § 2 der Ausbildungsordnung drei Jahre und findet im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Bei sehr guten Leistungen verkürzen einzelne Flughäfen auf zweieinhalb Jahre, so beispielsweise die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH.

Die Voraussetzungen

Die Ausbildungsordnung schreibt keine Vorbildung vor, und auch die Bundesagentur für Arbeit nennt keinen Pflichtabschluss. In der Praxis setzen die Ausbildungsbetriebe aber einheitliche Hürden, die sich in fast allen Ausschreibungen wiederholen. Fünf Anforderungen sollten Sie mitbringen:

  • Mittlerer Schulabschluss: Die Flughäfen erwarten in aller Regel mindestens einen mittleren Schulabschluss mit guten Noten, viele nehmen bevorzugt Bewerber mit Abitur. Berlin nennt die Mittlere Reife, die Fachoberschulreife oder das Abitur, Stuttgart einen guten oder sehr guten mittleren Abschluss. Die Statistik bestätigt das Bild: Von den 45 Anfängern des Jahres 2024 brachten 73 % die Hochschulreife mit, je 13 % einen Hauptschulabschluss oder einen mittleren Abschluss.
  • Gute Noten in Mathematik, Deutsch, Englisch und Geografie: Diese vier Fächer bilden die Grundlage des Berufs. Rechnen braucht man für Frachtkosten und Angebote, Deutsch für Kundenberatung und Dokumentation, Englisch für Passagiere, Crews und Frachtkunden aus aller Welt, Geografie für Flugverbindungen und Reiseziele. Berlin und Saarbrücken nennen genau diese Fächer, Stuttgart verlangt sehr gute Englischkenntnisse.
  • Führerschein Klasse B: In den meisten Ausschreibungen Pflicht, weil Flughäfen zu Schichtzeiten mit Bus und Bahn kaum erreichbar sind und auf dem Vorfeld später der betriebliche Vorfeldführerschein dazukommt. Stuttgart setzt den Führerschein voraus, Saarbrücken begründet ihn ausdrücklich mit den Schichtzeiten.
  • Schichtbereitschaft: Der kaufmännische Teil der Ausbildung läuft in Gleitzeit, also mit frei einteilbaren Arbeitszeiten im Büro. Die operativen Einsätze am Check-in, am Gate und auf dem Vorfeld folgen dagegen dem Flugplan, auch früh am Morgen und am Wochenende. Stuttgart weist darauf hin, dass Auszubildende zeitweise im Schichtdienst arbeiten.
  • Zuverlässigkeitsüberprüfung: Wer beruflich in den Sicherheitsbereich eines Flughafens muss, braucht einen Flughafenausweis, und den gibt es nur nach einer behördlichen Überprüfung nach § 7 des Luftsicherheitsgesetzes. Das gilt für jeden Flughafenberuf, vom Auszubildenden bis zur Geschäftsführung. Den Antrag stellt in aller Regel der Ausbildungsbetrieb vor dem ersten operativen Einsatz. Das Verfahren erklärt unser Ratgeber zur Zuverlässigkeitsüberprüfung.

Die Inhalte: acht Arbeitsfelder in drei Jahren

Was im Betrieb vermittelt wird, steht im Ausbildungsrahmenplan, der als Anlage zur Verordnung gehört. Die acht Arbeitsfelder aus § 4, in der Verordnung Berufsbildpositionen genannt, werden in zeitlichen Blöcken durchlaufen, dazu kommen fünf übergreifende Themen wie Arbeits- und Tarifrecht, Umweltschutz und das Umsetzen von Sicherheitsverfahren.

Arbeitsfeld laut VerordnungWas Auszubildende dort lernen
EinkaufsprozesseAngebote einholen, Lieferantengespräche, Vertragsvorbereitung
Personalwirtschaftliche ProzessePersonalplanung, Personalbeschaffung, Personalcontrolling
TerminalprozesseKundenströme steuern, behördliche Anordnungen umsetzen
AbfertigungsprozesseCheck-in, Gate, Flugvorbereitung, Ladeanweisung kontrollieren
Kaufmännische Steuerung und KontrolleKonten führen, Zahlungen bearbeiten, Kosten- und Leistungsrechnung
MarketingmaßnahmenMarkt- und Kundendaten analysieren, Werbeaktionen organisieren
VertriebsprozesseFlugpassagen und Dienstleistungen beraten und verkaufen
LuftfrachtabfertigungFrachtpapiere, Kapazitäten, Zollbestimmungen bei Import und Export

Quelle: Luftverkehrskaufleuteausbildungsverordnung vom 29. März 2017, § 4 Absatz 2 und Ausbildungsrahmenplan; Bundesagentur für Arbeit, Berufsinformation. Stand Oktober 2026.

Wie die Blöcke im Betrieb aussehen, zeigen die Flughäfen selbst. Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH führt ihre Auszubildenden durch Aviation- und Terminalmanagement, Unternehmenskommunikation, Personal und Organisation, Einkauf und Controlling sowie Rechnungswesen und ergänzt das um Einsätze bei der Fluggast-, Flugzeug- und Frachtabfertigung. Der kaufmännische Teil findet im Verwaltungsgebäude statt, die operativen Einsätze direkt am Flughafen. Der Flughafen Stuttgart setzt den Schwerpunkt umgekehrt auf die Abfertigung im Terminal, auf dem Vorfeld und in der Fracht und lässt die Auszubildenden danach Einkauf, Personal, Buchhaltung, Controlling und Marketing kennenlernen.

Berufsschule und Prüfung

Weil es den Beruf nur an wenigen Orten gibt, wird der Berufsschulunterricht in länderübergreifenden Fachklassen gebündelt. Auszubildende aus Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland lernen in Frankfurt am Main an der Bethmannschule, meist im Blockunterricht von mehreren Wochen. Der Flughafen Saarbrücken schickt seine Auszubildenden deshalb nach Frankfurt und übernimmt die Kosten. Berlin unterrichtet am Oberstufenzentrum Königs Wusterhausen.

Die Prüfung ist seit 2017 eine gestreckte Abschlussprüfung. Nach § 7 der Verordnung gibt es keine Zwischenprüfung mehr, sondern zwei Teile der Abschlussprüfung, die beide in die Endnote einfließen. Teil 1 findet in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt und umfasst nach § 8 den Stoff der ersten 15 Monate. Geprüft werden die Bereiche Passagierprozesse sowie Personal und Beschaffung (§ 9). Teil 2 am Ende der Ausbildung besteht nach § 13 aus den Bereichen Kaufmännische Unterstützungsprozesse, Abfertigungsprozesse sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.

PrüfungsbereichTeilGewicht
PassagierprozesseTeil 115 %
Personal und BeschaffungTeil 115 %
Kaufmännische UnterstützungsprozesseTeil 230 %
AbfertigungsprozesseTeil 230 %
Wirtschafts- und SozialkundeTeil 210 %

Quelle: Luftverkehrskaufleuteausbildungsverordnung vom 29. März 2017, §§ 7 bis 17.

Die beiden größten Prüfungsbereiche, Abfertigung und kaufmännische Unterstützung, liegen damit im zweiten Teil. Bestanden ist die Prüfung nach § 17 der Verordnung, wenn das Gesamtergebnis beider Teile, das Ergebnis von Teil 2 und mindestens zwei Prüfungsbereiche von Teil 2 „ausreichend“ sind und kein Bereich von Teil 2 mit „ungenügend“ bewertet wurde. Ein schwacher erster Teil lässt sich also mit dem zweiten ausgleichen. In den Bereichen Kaufmännische Unterstützungsprozesse oder Wirtschafts- und Sozialkunde kann der Prüfling eine mündliche Ergänzungsprüfung von etwa 15 Minuten beantragen, wenn sie den Ausschlag für das Bestehen geben kann.

Die Ausbildungsvergütung

Was ein angehender Luftverkehrskaufmann verdient, hängt vom Tarifvertrag des Ausbildungsbetriebs ab. Drei Tarifwelten kommen vor: der Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes bei kommunalen Flughafenbetreibern, der Branchentarif für Bodenverkehrsdienste bei Abfertigungsgesellschaften und die Haustarife der Airlines.

Tarif1. Jahr2. Jahr3. Jahr
Flughäfen im öffentlichen Dienst (TVAöD)1.368,26 €1.418,20 €1.464,02 €
Bodenverkehrsdienste (ETV BVD)1.300,00 €1.400,00 €1.500,00 €
Lufthansa Bodenpersonal1.322 €1.376 €1.431 €
Gesetzliche Mindestvergütung 2026724 €854 €977 €

Quellen: TVAöD Besonderer Teil BBiG § 8 (Stand 1. Mai 2026); Entgelttarifvertrag für die Bodenabfertigungsdienste an deutschen Verkehrsflughäfen § 5 (Stand 1. Mai 2026); Bundesagentur für Arbeit nach ver.di (Lufthansa, Stand März 2025); Bekanntmachung zur Mindestvergütung 2026. Monatsbeträge brutto.

Fraport, Köln/Bonn und Stuttgart nennen auf ihren Karriereseiten exakt die Beträge des öffentlichen Dienstes, Stuttgart nennt in seiner Ausschreibung für 2027 gerundet 1.368 € im ersten Lernjahr. Der Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD, PDF-Seite 4) sieht außerdem 30 Urlaubstage, eine Jahressonderzahlung von 90 % eines Monatsentgelts, 50 € Lernmittelzuschuss im Jahr und eine Abschlussprämie von 400 € nach bestandener Prüfung vor. Wer mindestens mit „Befriedigend“ abschließt, wird bei betrieblichem Bedarf unbefristet übernommen. Der Flughafen Stuttgart geht darüber hinaus und garantiert eine Übernahme für mindestens ein Jahr. Beim Tarif für Bodenverkehrsdienste (ETV BVD, PDF-Seite 8) kommt eine Jahressonderzahlung von 600 € hinzu. Die Lufthansa-Beträge stammen aus dem Frühjahr 2025. Im März 2026 haben Lufthansa und ver.di einen neuen Abschluss vereinbart, der die Ausbildungsvergütungen in zwei Schritten um 100 € anhebt. Die neuen Tabellen sind nicht veröffentlicht.

Welche Soft Skills braucht ein Luftverkehrskaufmann?

Soft Skills sind die persönlichen Fähigkeiten, die kein Zeugnis ausweist und die im Alltag trotzdem entscheiden, ob jemand im Beruf zurechtkommt. Für Luftverkehrskaufleute nennen die Bundesagentur für Arbeit und die Ausschreibungen der Flughäfen vor allem diese:

  • Kaufmännisches Denken, etwa beim Berechnen von Frachtkosten oder beim Erstellen von Angeboten
  • Verhandlungsgeschick gegenüber Lieferanten und Frachtkunden
  • Kundenorientierung und Kommunikationsfähigkeit am Schalter, auch auf Englisch
  • Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein bei Ladeanweisungen und Sicherheitsvorschriften
  • Organisationstalent, wenn im Terminal gleichzeitig mehrere Dinge schieflaufen
  • Teamfähigkeit im Wechsel zwischen Büro, Schalter und Vorfeld

Vier davon prägen den Beruf besonders:

Kaufmännisches Denken

Ein Luftverkehrskaufmann rechnet ständig: Was kostet die Abfertigung eines Fluges, lohnt sich ein Frachtangebot, welcher Lieferant ist günstiger? Die Ausbildungsordnung verlangt deshalb das Führen von Konten und das Aufbereiten der Kosten- und Leistungsrechnung. Wer Zahlen nicht nur ausrechnen, sondern auch deuten kann, ist in diesem Beruf im Vorteil.

Verhandeln und beraten

Mit Speditionen verhandelt der Luftverkehrskaufmann über Transportkonditionen, mit Lieferanten über Preise und am Schalter berät er Fluggäste, die ihren Anschlussflug verpasst haben. Alle drei Situationen verlangen dieselbe Fähigkeit: freundlich bleiben, klar formulieren und das Ergebnis im Blick behalten. Der Flughafen Stuttgart sucht ausdrücklich eine offene Art und den kompetenten, freundlichen Umgang mit Gästen.

Sorgfalt bei Sicherheit und Ladung

Eine falsch kontrollierte Ladeanweisung verschiebt den Schwerpunkt eines Flugzeugs, ein übersehener Zollvermerk hält eine Sendung tagelang fest. Luftverkehrskaufleute arbeiten an Stellen, an denen Fehler teuer oder gefährlich sind. Die Verordnung zählt das Umsetzen von Sicherheitsverfahren deshalb zu den Pflichtinhalten jeder Ausbildung, unabhängig vom Betrieb.

Überblick im Chaos

Ein Wintertag mit Schnee, gestrichenen Flügen und vollen Hallen ist der Normalfall, für den dieser Beruf ausbildet. Der Flughafen Stuttgart schreibt es so: Am Flughafen kann es hin und wieder chaotisch zugehen, Bewerber sollten sich gut selbst organisieren und den Überblick behalten. Wer dann ruhig bleibt und Prioritäten setzt, entlastet das ganze Team.

Bei welchen Arbeitgebern arbeiten Luftverkehrskaufleute?

Luftverkehrskaufleute arbeiten in erster Linie bei Flughafenbetreibern sowie bei Linien- und Charterfluggesellschaften. Weil jedes Jahr nur rund 40 junge Menschen die Ausbildung beginnen, ist die Zahl der Ausbildungsbetriebe überschaubar. Drei Gruppen lassen sich unterscheiden:

  • Flughafenbetreiber: Sie sind die klassischen Ausbilder. Die Fraport AG führt den Luftverkehrskaufmann unter ihren kaufmännischen Ausbildungsberufen, die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH bildet seit 1992 jährlich rund 25 Auszubildende aus und hat zweimal die bundesbeste Luftverkehrskauffrau gestellt. Auch Stuttgart, Köln/Bonn und Saarbrücken bilden aus. Nach der Ausbildung bleiben viele im Betreiberunternehmen, im Terminalmanagement, in der Verkehrsleitung, im Einkauf oder im Rechnungswesen.
  • Airlines und ihre Konzerngesellschaften: Bei der Deutschen Lufthansa AG ist die Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann in das duale Studium Luftverkehrsmanagement integriert, die Studierenden erwerben beide Abschlüsse. Airlines setzen Luftverkehrskaufleute an ihren Stationen ein: Condor verlangt für die Leitung des Passagierservice am Standort Frankfurt ein Studium oder eine Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann oder Servicekaufmann, ergänzt um eine Stationsausbildung, also die Einarbeitung in die Abläufe einer Airline-Station am Flughafen.
  • Abfertigungs- und Frachtgesellschaften: Bodenverkehrsdienstleister wie Fraport Ground Services oder AeroGround und Frachtgesellschaften wie Lufthansa Cargo beschäftigen Luftverkehrskaufleute in der Passage, in der Ladeplanung, in der Disposition und in der Frachtabfertigung. Hier gilt der Branchentarifvertrag für Bodenverkehrsdienste mit eigenen Entgeltgruppen für Kaufleute.

Der Alltag unterscheidet sich je nach Arbeitgeber deutlich. Beim Betreiber eines Regionalflughafens wie Saarbrücken mit rund 110 Beschäftigten übernimmt dieselbe Person Passagierabfertigung, Flugzeugabfertigung und Büroarbeit. Bei einem Konzern wie Fraport oder Lufthansa ist der Luftverkehrskaufmann nach der Ausbildung meist in einer Abteilung zu Hause, im Einkauf, im Controlling, in der Frachtsteuerung oder an der Station. Dazwischen liegen die Abfertigungsgesellschaften, bei denen der operative Anteil überwiegt.

Aktuelle Stellen für Luftverkehrskaufleute

Ausbildungsplätze zum Luftverkehrskaufmann schreiben die Flughäfen rund ein Jahr vor Beginn aus, Stuttgart beispielsweise schon im Herbst 2026 für September 2027. Offene Stellen für ausgebildete Luftverkehrskaufleute finden Sie in den Bereichen Verwaltung, Operations, Logistik und Fracht sowie unter Ausbildung:

Aktuelle Jobs für Luftverkehrskaufleute

Aktuell 11 offene Stellen und Ausbildungsplätze für Luftverkehrskaufleute auf flughafen-jobs.de.

Wie hoch ist das Gehalt eines Luftverkehrskaufmanns?

Einen einheitlichen Tarif für Luftverkehrskaufleute gibt es nicht, weil die Arbeitgeber in unterschiedlichen Tarifwelten liegen. Am genauesten lässt sich das Gehalt bei den Bodenverkehrsdiensten beziffern. Der Entgelttarifvertrag, den der Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister, die kommunalen Arbeitgeber und ver.di für die Flughäfen ab zwei Millionen Passagieren abgeschlossen haben, nennt die Ausbildung ausdrücklich: Ein Passage Agent, so heißt im Tarif jeder Mitarbeiter am Check-in und Gate, mit abgeschlossener Ausbildung als Luftverkehrskaufmann wird in die Entgeltgruppe 5 eingruppiert, ebenso eine Sachbearbeitung mit einschlägiger Berufsausbildung. Die Entgeltgruppe ist die tarifliche Gehaltsstufe, die Stufe innerhalb der Gruppe steigt mit den Jahren im Betrieb.

EntgeltgruppeBeispiele aus dem TarifvertragStufe 1Stufe 4
EG 5Passage Agent mit Ausbildung, Sachbearbeitung mit Berufsausbildung, Weight-and-Balance Agent I3.516,45 €3.831,57 €
EG 6Teamleiter Check-in, Sachbearbeitung I Personal- oder Rechnungswesen, Flight OPS Agent3.836,60 €4.101,74 €
EG 7Supervisor Passage, Sachbearbeitung II3.989,53 €4.258,85 €
EG 8Duty Officer, Schichtleiter, Personalreferent4.283,02 €4.583,42 €
EG 9Duty Manager, operative Betriebsleitung4.626,59 €4.942,52 €

Quelle: Entgelttarifvertrag für die Bodenabfertigungsdienste an deutschen Verkehrsflughäfen (ABL/VKA/ver.di), Entgelttabelle und Beispielkataloge Passage, Operations und Administration, Stand 1. Mai 2026. Verstetigte Monatsentgelte brutto bei 37,5 Wochenstunden.

Monatsentgelt nach dem Tarif für Bodenverkehrsdienste (Vollzeit, Stufe 1 bis 4)

EG 5 Passage Agent mit Ausbildung 3.516–3.832 €

EG 6 Teamleiter, Sachbearbeitung I 3.837–4.102 €

EG 7 Supervisor, Sachbearbeitung II 3.990–4.259 €

EG 8 Schichtleiter, Personalreferent 4.283–4.583 €

EG 9 Duty Manager 4.627–4.943 €

3.5004.0004.5005.000

Angaben in € brutto im Monat

Die Tabelle nennt Berufe, die außerhalb der Branche kaum jemand kennt: Weight-and-Balance Agents berechnen die Beladung und Balance eines Flugzeugs, Flight OPS Agents bereiten Flugpläne und Crew-Unterlagen vor, Duty Officer und Duty Manager leiten eine ganze Schicht. Der Stundenlohn der Entgeltgruppe 5 beträgt 21,57 € in der ersten und 23,50 € in der vierten Stufe (ETV BVD, PDF-Seite 6). Hinzu kommen nach dem Manteltarifvertrag Zuschläge von 25 % für Nachtarbeit zwischen 21 und 6 Uhr, 50 % an Sonntagen und 100 % an Feiertagen sowie eine Jahressonderzahlung von 800 €. Wer ganzjährig Schicht arbeitet, erhält eine Zulage von 60 € im Monat, bei Wechselschicht 95 €, und drei Tage Zusatzurlaub zu den 28 Urlaubstagen. Die Tabellen steigen künftig im Gleichschritt mit dem öffentlichen Dienst: Der Tarifvertrag verpflichtet die Parteien, jeden Abschluss im TVöD wertgleich zu übertragen.

Kommunale Flughafenbetreiber wie Düsseldorf, Köln/Bonn, Hannover oder Stuttgart bezahlen nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes für Flughäfen. Eine eigene Fallgruppe für Luftverkehrskaufleute kennt dessen Entgeltordnung nicht, die Eingruppierung richtet sich nach der konkreten Stelle. Zur Einordnung: Die Entgeltgruppe 5 des TVöD beginnt seit Mai 2026 bei 3.124,08 € und endet in Stufe 6 bei 3.783,33 €, die Entgeltgruppe 6 reicht von 3.240,30 € bis 3.926,20 € (TVöD-Tabelle VKA, PDF-Seite 218). Lufthansa und Condor veröffentlichen ihre Gehaltstabellen nicht; Condor spricht in seiner Ausschreibung von einer branchenüblichen Vergütung.

Was über alle Arbeitgeber hinweg gezahlt wird, zeigt die Auswertung eines Gehaltsportals, die wir im Oktober 2026 abgerufen haben: Der Median für Luftverkehrskaufleute liegt bei 3.675 € im Monat, die Hälfte der gemeldeten Gehälter zwischen 3.329 € und 4.057 €. Berufseinsteiger mit weniger als drei Jahren Erfahrung kommen auf durchschnittlich 3.136 €, nach mehr als neun Jahren sind es 3.679 €. Deutlicher wirkt die Größe des Arbeitgebers: In Unternehmen mit mehr als 20.000 Beschäftigten, also bei Fraport oder im Lufthansa-Konzern, liegt der Durchschnitt bei 4.381 €, in Betrieben unter 100 Beschäftigten bei 3.596 €. Die Datenbasis weist das Portal nicht aus, die Werte sind daher als Orientierung zu lesen.

Welche Perspektiven haben Luftverkehrskaufleute?

Die breite Ausbildung ist der größte Vorteil des Berufs. Luftverkehrskaufleute kennen nach drei Jahren das Terminal, das Vorfeld, die Fracht und die Verwaltung und können sich in jede Richtung entwickeln. Im operativen Bereich führt der Weg vom Passage Agent über den Teamleiter und den Supervisor zum Schichtleiter und Duty Manager, der an einem Flughafen die gesamte Abfertigung einer Schicht verantwortet. In der Verwaltung geht es von der Sachbearbeitung im Personal- oder Rechnungswesen zum Personalreferenten oder in den strategischen Einkauf. In unserer Auswertung vom Oktober 2026 suchte der Flughafen München beispielsweise einen strategischen Einkäufer für Planung und Bau, Fraport einen Controller mit Schwerpunkt Personal.

Darüber hinaus gibt es geregelte Aufstiegsfortbildungen. Die Bundesagentur für Arbeit nennt für Luftverkehrskaufleute die Prüfung zum Fachwirt für Güterverkehr und Logistik, die auf die Frachtseite des Berufs aufbaut. Wer die Hochschulreife hat, kann berufsbegleitend oder in Vollzeit Luftverkehrsmanagement studieren. Mehrere Flughäfen und die Deutsche Flugsicherung bieten diesen Studiengang auch dual an, der Flughafen Düsseldorf etwa in Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences. Welche Studiengänge und Ausbildungen Flughäfen sonst anbieten, zeigt unser Überblick zur Ausbildung am Flughafen.

Zu guter Letzt bleibt der Wechsel innerhalb der Branche. Der Abschluss ist bundesweit anerkannt, und die Zuverlässigkeitsüberprüfung gilt fünf Jahre. Luftverkehrskaufleute wechseln vom Betreiber zur Airline, von der Airline zum Dienstleister oder in Speditionen und Reiseveranstalter, die Luftfracht und Flüge einkaufen. Den Beruf, der auf der Passagierseite am nächsten liegt, beschreibt unser Artikel zum Servicekaufmann im Luftverkehr.

Fazit

Der Luftverkehrskaufmann ist die kaufmännische Ausbildung für alle, die den Flughafen als Unternehmen verstehen wollen und nicht nur als Arbeitsplatz. Drei Jahre, acht Arbeitsfelder, eine Prüfung in zwei Teilen und ein Einstiegsgehalt, das nach Tarif bei rund 3.500 € im Monat beginnt. Die Kehrseite sind wenige Ausbildungsplätze, hohe Anforderungen an Englisch und Schulnoten und ein Alltag, der zwischen Gleitzeit im Büro und Schichtdienst am Terminal wechselt. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!

FAQ: Häufige Fragen zum Luftverkehrskaufmann

Was macht ein Luftverkehrskaufmann?

Luftverkehrskaufleute übernehmen kaufmännische und organisatorische Aufgaben bei Flughäfen und Fluggesellschaften. Sie steuern die Abläufe im Terminal, koordinieren die Abfertigung von Flugzeugen, fertigen Luftfracht ab, kaufen Waren und Dienstleistungen ein, führen Konten, wirken bei der Personalplanung mit und setzen Marketingmaßnahmen um. Je nach Arbeitgeber überwiegt der operative oder der Büroanteil.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann?

Die Ausbildung dauert nach § 2 der Ausbildungsordnung drei Jahre. Einzelne Flughäfen verkürzen bei sehr guten Leistungen auf zweieinhalb Jahre. Die Abschlussprüfung ist in zwei Teile gestreckt: Teil 1 in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres, Teil 2 am Ende der Ausbildung.

Welchen Schulabschluss braucht man?

Gesetzlich ist kein Abschluss vorgeschrieben. Die Flughäfen verlangen in ihren Ausschreibungen einen guten mittleren Schulabschluss oder das Abitur, gute Noten in Mathematik, Deutsch, Englisch und Geografie sowie meist den Führerschein Klasse B. Im Jahr 2024 hatten 73 % der Ausbildungsanfänger die Hochschulreife.

Was verdient ein Luftverkehrskaufmann in der Ausbildung?

Flughäfen im öffentlichen Dienst zahlen seit Mai 2026 1.368,26 € im ersten, 1.418,20 € im zweiten und 1.464,02 € im dritten Ausbildungsjahr. Beim Tarif für Bodenverkehrsdienste sind es 1.300 €, 1.400 € und 1.500 €. Lufthansa zahlte nach dem Stand vom März 2025 1.322 € bis 1.431 €. Dazu kommen je nach Tarif Jahressonderzahlung, Lernmittelzuschuss und Abschlussprämie.

Was verdient ein Luftverkehrskaufmann nach der Ausbildung?

Der Tarifvertrag für Bodenverkehrsdienste sieht für Luftverkehrskaufleute mit abgeschlossener Ausbildung die Entgeltgruppe 5 vor, das sind 3.516,45 € bis 3.831,57 € brutto im Monat bei 37,5 Wochenstunden (Stand 1. Mai 2026). Ein Gehaltsportal nennt für den Beruf einen Median von 3.675 € im Monat, in Konzernen mit mehr als 20.000 Beschäftigten durchschnittlich 4.381 €.

Was ist der Unterschied zwischen Luftverkehrskaufmann und Servicekaufmann im Luftverkehr?

Beide sind dreijährige Ausbildungsberufe am Flughafen. Der Servicekaufmann im Luftverkehr arbeitet überwiegend am Fluggast: Check-in, Gate, Ticketverkauf, Gepäckermittlung. Der Luftverkehrskaufmann ist breiter aufgestellt und lernt zusätzlich Einkauf, Luftfracht, Controlling und Personalwirtschaft. Beide Abschlüsse führen im Tarif für Bodenverkehrsdienste in dieselbe Entgeltgruppe.

Wo gibt es Ausbildungsplätze zum Luftverkehrskaufmann?

Vor allem bei den Flughafenbetreibern, etwa in Frankfurt, Berlin, Stuttgart, Köln/Bonn und Saarbrücken, sowie bei der Deutschen Lufthansa AG im Rahmen des dualen Studiums Luftverkehrsmanagement. Die Bewerbungsphase beginnt rund ein Jahr vor dem Ausbildungsstart im August oder September. Bundesweit wurden 2025 nur 39 neue Ausbildungsverträge geschlossen.